Je lauter das Summen der Welt wird, desto tiefer sehne ich mich nach Stille. Und wenn ich die vielen Stimmen um mich und in mir auf Pause drücke, werde ich mir einer betäubenden Stille bewusst, die alles und nichts zugleich ist — Klang und die Abwesenheit von Klang.

Es gibt einfach so viel Lärm. Eine Kakophonie von Stimmen, die gellend schreien. Verstimmt, ohne Harmonie. Verzweifelt kreischend, eine lauter als die andere.
In dem Moment, in dem ich mein Handy aufmache, fängt es an zu schreien. „Vergiss den Zahnarzttermin nicht.” „Antworte sofort auf die Nachricht.” „Erledige diese Aufgabe jetzt.” Termine, Nachrichten, Aufgaben — alles brüllt mich direkt an, alles dringend, alles sofort.
Und wenn ich die sozialen Medien öffne, werden die Geschichten noch lauter. Menschen, die aufeinander einschreien oder ins Leere — immer schrill, viele erfüllt vom tiefen, dröhnenden Unterton der Rechthaberei. Karikaturen ihrer selbst, außer sich, losgelöst von ihren Herzen, ihre Wahrheit verzweifelt in den Äther schreiend. Eine absurde Aussage nach der anderen, wie eine Klangwand, die sich unaufhaltsam schließt.
Der Klang der Welt ist kein Lied mehr. Er ist ein Schrei.
Das uralte, falsch gestimmte Lied der Trennung. Das tiefe, rhythmische Hämmern von „Ich weiß es besser”, begleitet vom Bass von „Ich habe recht, also liegst du falsch”, unterstützt vom schrilleren Kreischen: „Halt die Klappe und akzeptiere meine Wahrheit als deine.”
Ein lauter, disharmonischer Chor der Rechthaberei. Ein verzweifelter Schrei. Echter Schmerz. Tiefe Orientierungslosigkeit.
Alle wollen ihre Version der Wirklichkeit teilen. So viele Geschichten, so viele Melodien, die nicht zusammenpassen. Und in der Einsamkeit unseres eigenen Liedes drehen wir die Lautstärke auf. Als könnte pure Lautstärke das schaffen, was Harmonie nicht kann — unsere Melodie in andere Leben tragen, in andere Wirklichkeiten, bis alle mitsingen. Bis endlich Frieden herrscht, weil alle unserer Wahrheit zustimmen.
Eine trügerische Hoffnung.
Wir sind alle Komponisten unseres eigenen Liedes. Wir interpretieren, erschaffen Bedeutung, weben die Welt in die Melodie, die für uns Sinn ergibt. Wenn unsere Lieder sich überschneiden, fühlen wir uns gesehen. Wir sammeln uns, verstärken uns, bauen einen Chor. Jemand wird immer mitsingen.
Und doch — der Lärm lebt nicht nur da draußen. Er lebt auch in uns. Die internalisierten Stimmen, die ohne Einladung Einzug gehalten haben. Der innere Kritiker, der innere Richter, der innere Kommentator, der nie ganz verstummt. Der Chor der Welt ist längst nach innen gewandert — und oft können wir nicht mehr unterscheiden, wo das äußere Schreien endet und das eigene beginnt.
In diesem chaotischen Lied gibt es keine Richtung, keine Vernunft.
Irgendwann will ich einfach, dass alle aufhören. Die Nachrichten. Die Feeds. Die Meinungen. Und mein eigener Verstand, mit seinen unablässigen Geschichten. Also halte ich inne. Ich drücke auf Pause. Ich warte.
Und dann tritt Stille ein.
Alle Klänge verstummen — als hätte jemand mitten im Lied auf Pause gedrückt. Und in dieser plötzlichen Stille nehme ich es wahr. Eine andere Melodie, die von unten aufsteigt.
Sie war immer da. Unter der Kakophonie der Angst — der universelle und verbindende Klang der Liebe. Das Summen des Universums, still und beständig. In jedem Meinungsstreit war Frieden bereits gegenwärtig. In jeder schreienden Stimme ein Herz, das gehört werden möchte. Der Klang universeller Verbundenheit, niemals verschwunden — nur übertönt.
Weil mein Radio auf die falsche Frequenz eingestellt war. Gefangen in Trennung, in Lärm, in der endlosen Schleife von richtig und falsch — konnte ich die eine Melodie nicht empfangen, die uns aus unserem Schmerz heraushebt. Die von einer Familie des Seins singt, einem gemeinsamen Herzen, das im Unendlichen schlägt.
In dieser Melodie gibt es keine Disharmonie, keine Getrenntheit. Sie ist allgegenwärtig, alles umfassend, alles liebend.
Wie in dem Moment, wenn die Musik plötzlich stoppt — die Stille ist atemberaubend. Eine tiefe Erleichterung. Ein endlich geatmeter Atemzug. Ein Sinken in die Stille, die immer schon da war.
In ihrer Gegenwart ist alles gut.
- Wo in deinem Leben ist der Lärm am lautesten — außen oder innen?
- Wann hast du zuletzt lange genug innegehalten, um etwas darunter zu hören?
- Was würde es bedeuten, dein Leben auf eine andere Frequenz einzustimmen?
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