Nr. 5 – Ein Gedicht über Welten

Unendliche Perspektiven, unendliche Welten – eine Essenz.

Welten

 

Als ich geboren wurde,
wurde eine Welt geboren.
Bilder, die nur meine Augen sehen können,
Klänge, die nur meine Ohren hören,
Gedanken, die nur ich denke.
Ich – Schöpfer und Geschöpf meiner Welt,
eine Gesandte Gottes.

Als du geboren wurdest,
wurde eine andere Welt geboren.
Bilder, die deine Augen sehen, doch meine nicht.
Klänge, die deine Ohren hören, doch meine nicht begreifen.
Gedanken, die du zu erklären versuchst,
die ich jedoch niemals ganz erfassen kann.
Du – Schöpfer und Geschöpf deiner Welt,
ein Gesandter Gottes, so wie ich,
auf einer anderen Mission,
mit demselben Ziel.

In meiner Welt
sehe ich Schönheit, die nur für mich gemacht ist.
Liebe, die niemand geben kann wie ich.
Möglichkeiten,
geschaffen für die Entfaltung meiner Welt allein.
Ein großzügiges Geschenk meines Schöpfers,
und meine Augen, Ohren und Hände
– mein Geschenk an ihn.

Ich, und du, und wir alle,
Fenster in diese Welt,
eine Einladung,
die herrliche Vielfalt des Bewusstseins zu erfahren.

Ich bin das Fenster zu dieser Welt,
in mir – ein Fenster zum Universum.

Wenn ich zum Himmel aufblicke,
sehe ich die Grenzen meiner Welt flackern,
die Sterne meines Himmels,
die mein Schicksal bestimmen.
Ich bin den Launen meines Himmels ausgeliefert.
Wenn ich aufblicke und um mich schaue,
sehe ich Fäden des Schicksals,
die mich umkreisen,
die Grenzen, die ich nicht überschreiten kann.

In ihnen finde ich meine Identität,
in ihnen begegne ich auch meinen Grenzen.

Gefangen in Glaubensmustern,
älter als mein Tagesbewusstsein,
sehe ich keinen Anfang
und kein Ende ihrer Prägung.

In deiner Welt
hat Schönheit einen anderen Duft,
und die Melodie deines Lebens
klingt so anders als meine.
Ich kann die Türen und Hindernisse deiner Welt nicht sehen,
doch ihr Öffnen und Schließen erstaunt mich immer wieder.
Dein Geschenk hat eine andere Form,
sein Mantel ein anderes Gefühl.
Ich kann die Sterne in deinem Himmel
sehen, die dein Schicksal lenken.
Es ist ein anderes Schicksal,
doch du bist ihm ebenso ausgeliefert wie ich.

Wenn ich versuche, in deine Welt hineinzusehen,
erkenne ich die Fäden des Schicksals, die um dich tanzen,
Muster, die deinen Blick gefangen halten.
Manchmal scheinen mir deine Grenzen so deutlich,
dass ich mit einer wohl durchdachten Karte an dich herantrete,
um dich durch deinen Hindernisparcours zu leiten.

Doch ich bin kein Bürger deines Landes.
Die Gesetze deiner Welt entziehen sich mir,
und meine Karte ist nutzlos.

Ich sehe so viele Welten um mich herum.
Mit jedem Kind, das geboren wird,
entsteht eine neue Welt.
Diese Welt wird nie wieder genau so gesehen werden.
Mit jedem Tod stirbt eine Welt,
eine Perspektive vergeht,
eine Facette erlischt.
Ein endloses Kommen und Gehen
von Ausdruck und Erfahrung.

Mal sehe ich Grenzen, mal sehe ich Weite.
Wolken, die von einem Himmel in den nächsten ziehen,
Stimmungen, die sich wandeln,
Leben, die im Dunkel gelebt werden.
Ein dichter Nebel ringsum.
Jede Welt erschüttert
vom Auf und Ab des emotionalen Meeres.
Wellen, die von einer Welt in die nächste schlagen,
eine tosende See,
die die innere Melodie verschlingt.

Manchmal höre ich deine Wellen
an deiner Küste brechen,
wild und verzweifelt.
Ein andermal ist das Meer still.
Jede Welt mit ihrem eigenen Wetter.
Mein Sonnenschein kann deinen Regen nicht erreichen.
Doch was,
wenn dein Boden den Regen braucht
und ich es nur nicht sehe.

Manchmal sehe ich nur Grenzen,
eine kosmische Gefangenschaft.
Ein andermal
sehe ich nur Freiheit,
denn die Freiheit
ist ebenso real wie das Gefängnis.

O, wie sehr wünschte ich,
ich könnte meine Welt in deine ausdehnen.
Wie sehr wünschte ich,
ich könnte dein Wetter fühlen
und es nicht nur beobachten.
Doch nicht nur deines.
Nicht zwei Welten
in einer Welt aus Millionen.
All die Welten.

In meinem tiefsten Herzen
trage ich Vielheiten.
Ich bin meine Welt,
und ich bin alle Welten,
meine eigentümliche Sicht,
und die Weite meines Blickes.
Nach außen schauend
bin ich gefangen
im Magnetfeld der Konditionierung.
Nach innen blickend
bin ich frei.

Es gibt einen Schlüssel,
im Zentrum meiner Welt,
eine Öffnung,
die ins Universum führt.
Einen stillen Ort der Einkehr,
der geduldig wartet
auf die Rückkehr meines Bewusstseins.


Journaling-Fragen

  1. Welche Schönheit existiert in deiner Welt, die nur du sehen kannst?
  2. In wessen Welt wünschst du dir, mehr fühlen zu können, und warum?
  3. Wo in deinem Leben begrenzen Grenzen deine Wahrnehmung, und wo spürst du Freiheit?

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Welten — Welten — Welten — Welten — Welten — Welten — Welten — Welten —