Die Geburt eines kreativen Projekts, das ich seit Jahren in mir trage, reift. Mitten in den Anforderungen des Alltags lerne ich, was es wirklich bedeutet, einen Traum in die Welt zu bringen.

Wenn Arbeit eine Person wäre – wie würdest du zu ihr stehen?
Wenn ich an meine Arbeit denke – das kreative Projekt, das ich seit Jahren in mir trage und das ich hoffentlich nächstes Jahr endlich in die Welt bringen kann – dann ist da ein warmes, weiches Gefühl.
Eine Mischung aus Plan und Fügung, aus romantisierter Bestimmung und der ganz bodenständigen Notwendigkeit, den Lebensunterhalt zu sichern. Es ist Traum und Realität, Ausdruck und Pflicht, alles miteinander verwoben.
Meine Ideen kommen, ohne dass ich sie rufe; sie setzen sich fest, wachsen und nehmen Raum ein, lange bevor ich sie bewusst einlade.
In diesem Sinne fühlt sich meine Arbeit an wie ein Verwandter, den das Schicksal mir zugeteilt hat – derjenige, von dem man sich nicht einfach lösen kann, weil ein unsichtbarer Faden uns verbindet. Bestimmung trägt immer einen leisen Widerhall von Unentrinnbarkeit in sich.
Von dem Moment an, in dem die Idee auftauchte und der Samen gepflanzt wurde, bis zu dem Moment, in dem sie ins Leben gebracht werden kann, sind Jahre vergangen. Behütete Jahre, in denen die Idee im Schaffensleib sicher war, geschützt vor äußeren Einflüssen, langsam wuchs und sich entwickelte.
Doch in letzter Zeit spüre ich die Wehen – diese kreativen Schübe, die sich anspannen und lösen, Wellen der Spannung, die mich zu etwas Unvermeidlichem treiben, egal ob ich bereit bin oder nicht. Die Geburt fühlt sich nah und ebenso unvermeidlich an.
Immer wieder, wenn ich denke, der Geburtstermin sei endlich erreicht, verschiebt das Leben ihn still und leise weiter.
Dieses „Baby“, das ich trage – dieses kreative Vorhaben – reift seit Jahren, entwickelt sich, ist in allen relevanten Dimensionen überfällig. Doch je näher die Geburt rückt, desto stärker richtet sich meine Aufmerksamkeit auf das Umfeld.
Der Geburtsraum ist hektisch: Angst, nicht genug Ressourcen zu haben, Angst vor der unbekannten Form, die dieses Projekt annehmen wird, Angst vor Scheitern oder Zerbrechlichkeit.
Aber gerade die Angst hält die Geburt immer wieder auf. In Angst friert alles ein; eine Starre breitet sich aus. Die Panik im Raum dringt nach innen und blockiert den Fluss. Nichts bewegt sich, alles stockt. Wie also kann ich ein Projekt gebären in der Gegenwart von Angst? Oder besser: Wie arbeite ich mich durch die Angst hindurch, damit der kreative Fluss wiederkehrt?
Und dennoch geschieht die Geburt bereits. Es gibt keine Pause, keinen perfekten Moment, auf den man warten könnte. Das Leben geht weiter, der Alltag läuft, und mitten darin wächst das Projekt, besteht auf seinen Raum und findet seinen Weg. Die Schöpfung drängt sich durch – in frühe Morgenstunden, stille Ecken, in die kleinen Momente, in denen Aufmerksamkeit möglich ist. Sie verlangt Präsenz, Ausdauer und Mut, auch wenn die Angst bleibt.
So sieht es aus, ein kreatives Projekt zu gebären: Schmerz, Angst, die Aufregung der Erwartung, extreme Gefühle zu erleben – und gleichzeitig alle anderen Anforderungen des Lebens zu bewältigen. Und dennoch geschieht die Geburt, trotz Angst und dem unaufhörlichen Rhythmus des Alltags, jetzt, eindringlich und unaufhaltsam.
Reflexionsfragen
- Wie erlebst du die „Wehen“ in deinem eigenen kreativen oder beruflichen Leben – diese Momente der Spannung, die dich zu etwas Neuem treiben?
- Wo in deinem Alltag kannst du deine größeren Ziele pflegen, selbst in kleinen, gewöhnlichen Momenten?
- Welche Ängste tauchen auf, wenn du dir nicht nur die Geburt eines Projekts vorstellst, sondern auch das Leben, das danach folgt – und wie könntest du ihnen mit Geduld und Mut begegnen?
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