Energie fließt in uns auf viele Arten — manche laut und sichtbar, manche leise und subtil, manche halten einfach nur den Raum.

Ich sehe mein Leben durch drei Rhythmen von Energie fließen: das Go-Go-Go, die empfängliche Pause und den stillen Beobachter dazwischen.
So erlebe ich sie im Alltag:
Aktive Energy: E-Mails schreiben, schwierige Anrufe tätigen, in sozialen Medien posten, sich auf den Job bewerben, das Haus aufräumen.
Passive Energy: das Buch lesen, mehr über ein Thema lernen, offen sein für neue Ideen, zuhören.
Neutrale Energy: beobachten, Energien ausbalancieren, wahrnehmen, was gerade passiert.
Immer wenn ich ein Hausprojekt habe, wird meine aktive Energy regelrecht entfesselt. Und ich liebe es. Ich liebe den Drang von Go-Go-Go, die Geschwindigkeit, das befriedigende Gefühl, Dinge erledigt zu bekommen.
Aber ich mache mir auch Sorgen, dass ich für andere zu viel sein könnte — dass ich nicht genug zuhöre, dass ich nicht sanft genug bin. Es ist eine sehr männliche Energie, die Dinge anpackt, die Herausforderungen nicht scheut und die sogar den Reiz im Hindernis spürt.
Mir wird immer mehr bewusst:: Meine aktive Energie war bisher nur dann „erlaubt“, wenn sie anderen diente.
Für die Kinder, für das Haus, für die Gemeinschaft. Und immer zeitlich begrenzt. Ein kurzer Ausbruch? Okay. Aber dann muss der Frieden zurückkehren. Entspannung muss zurückkehren. Das kollektive Durchatmen muss zurückkehren.
Irgendwann habe ich gelernt — ohne dass es mir jemand direkt gesagt hätte — dass meine starke Energie nur willkommen ist, wenn sie Frieden bewahrt, nicht, wenn sie stört.
Wer hat mir beigebracht, welche Teile meiner Energie „erlaubt“ sind?
Wo habe ich gelernt, dass mein Antrieb eine Bedrohung sein könnte?
Was passiert in mir, wenn ich mir vorstelle, diese Kraft nicht für andere, nicht fürs Kümmern, sondern ausschließlich für persönliches Schaffen einzusetzen?
Denn wenn diese Energie nicht laut sein durfte, wurde sie still. Sie glitt in den Schatten: zwanghaftes Einkaufen, Möbel umstellen, auf Details fixiert sein.
Aktive Schattenenergie ist Bewegung ohne Sinn — hektisch, übersteuert, die eigenen Bedürfnisse ignorierend.
Meine passive, eher weibliche Energy ist mir sehr nah. Sie ist beziehungsfreundlich. Sie sagt nicht „Ich bin beschäftigt, Liebling, kannst du mir das später erzählen?“ sondern „Natürlich, Liebling, erzähl mir, was los ist. Ich höre zu. Ich bin da.“
Als Mutter wurde diese fürsorgliche, akzeptierende, liebevolle Energie immer willkommen geheißen — fast ermutigt. Hier liegt das geringste Schuldgefühl. Für andere da zu sein, sich nach ihren Bedürfnissen zu richten, fühlt sich wie der sicherste Weg an, verbunden zu bleiben.
Aber natürlich hat passive Energy auch einen Schatten: Stillstand, endloses Warten, dass Ideen ohne Aktivierung langsam sterben.
Wenn ich ehrlich bin, war dies in meinem Business lange der Fall. Ich habe gelesen, Tagebuch geschrieben, zugehört, visioniert, geträumt, Ideen eingeladen. Alles notwendig. Aber irgendwann, ohne aktives Handeln, beginnen die Ideen zu zerfallen.
Meine neutrale Energy, weder männlich noch weiblich, tut, was sie am besten kann: die Spannung mühelos halten, beobachten, das Ungleichgewicht der beiden anderen anerkennen. Neutral wird oft übersehen — aber sie ist entscheidend. Ohne Bewusstsein können wir nicht spüren, wann wir handeln, wann wir ruhen oder wie wir Inspiration und Disziplin integrieren.
Doch neutrale Energie trägt ebenfalls einen Schatten: Lähmung, endloses Beobachten, nie wirklich ins Handeln kommen.
Im Moment ist Gleichgewicht nicht mein Ziel.
Um mein Projekt zum Leben zu bringen, brauche ich diesen inneren Brunnen aus aktiver, unerbittlicher Energie — den Antrieb, den Tunnelblick, den unerschütterlichen Fokus, der vorübergehend die Bedürfnisse anderer verschwimmen lässt.
Und dafür brauche ich mehr als Disziplin.
Ich brauche Erlaubnis. Meine eigene.
Ich muss mir erlauben, willensstark, fokussiert, nicht-weich zu sein.
Meine aktive Energie auf mich selbst zu entfesseln, nicht nur im Dienst anderer.
Endlich zu sagen:
Ich darf für mich selbst erschaffen.
Ich darf wollen.
Ich darf handeln.
Ich darf kraftvoll sein — auch wenn diese Kraft nicht friedlich ist.
Nimm dir einen Moment und überlege dir diese Fragen:
- Welche Form von Energie — aktiv, passiv oder neutral — überlässt du dir zu viel, und welche verweigerst du dir stillschweigend?
- Welche Geschichte erzählst du dir selbst darüber, warum bestimmte Teile deiner Energie „zu viel“, „nicht genug“ oder nur dann akzeptabel sind, wenn sie anderen dienen?
- Wenn du dir volle Erlaubnis gäbest, deine aktive Energie für dein eigenes Schaffen zu nutzen, welches wäre das allererste, das du wagen würdest zu beginnen?
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